Gute Beispiele Baukultur und Beteiligung

Der Arbeitskreis Netzwerk-Baukultur Niedersachsen hat aus den Themenfeldern Städtebau, Architektur, Denkmalschutz, Landschaftsarchitektur, ländlicher Raum sowie Freiraumplanung Projekte ausgewählt, die durch einen partizipativen Prozess entstanden sind und von Dritten ausgezeichnet wurden. Diese Projekte gelten als Gute Beispiele für Baukultur und werden im folgenden kurz vorgestellt. Wir gratulieren Allen GewinnerInnen zur erfolgreichen Planung und Umsetzung der Projekte unter Beteiligung und Einbindung verschiedener Interessengruppen in den Prozess.


Freiraumplanung

NaturErleben Langwarder Groden (Butjadingen, Landkreis Wesermarsch)

BauherrIn: Gemeinde Butjadingen
Architekten: Planungsgruppe grün, Bremen
Landschaftsarchitekten: Martin Sprötge, Markus Baritz u.a.
Bildrechte: Tourismus-Service Butjadingen GmbH & Co. KG | www.butjadingen.de

Auszeichnungen:
2015: Umweltpreis International Association of Ports and Harbours (IAPH Award)
2018: Qualitätsweg Wanderbares Deutschland

Fotos: Tourismus-Service Butjadingen GmbH & Co. KG | www.butjadingen.de

Begründung:

Im Jahre 2015 wurde die Kompensationsmaßnahme Langwarder Groden in Butjadingen mit dem Umweltpreis International Association of Ports and Harbours (IAPH Award) und in 2018 das ergänzende Naturerlebnisprojekt „NaturErleben Langwarder Groden“ als Qualitätsweg Wanderbares Deutschland ausgezeichnet. In der aktuellen Wanderausstellung „RaumGewinn“ der Architektenkammer Niedersachsen ist das Projekt eines von fünf vorgestellten positiven Beispielen für gelungene Freiraumplanung aus Niedersachsen.
Der Langwarder Groden gilt als Kompensationsfläche für den Bau des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven, auf der ehemalige Weidewiesen der natürlichen Salzwiesenentwicklung als Renaturierungsmaßnahme (Planungs- und Bauzeit 2007 bis 2014) zugeführt werden.
Der vier Kilometer lange Rundwanderweg über die Watt- und Salzwiesensukzessionsflächen wurde in den Jahren 2014 - 2015 gebaut. Insbesondere durch den 350 m langen Holzbohlenweg wurde diese Renaturierungsmaßnahme zu einem besonderen Highlight für die gesamte Region. Zu unterschiedlichen Jahreszeiten können hier größtenteils barrierefrei, Groß und Klein die Kraft des Wassers, verschiedene Pflanzen- und Vogelarten, sowie die Weiterentwicklung des Naturraumes beobachten.
Durch einen partizipativen und interdisziplinären Planungs- und Umsetzungsprozess begleitet durch die Planungsgruppe Grün, Bremen konnten bei diesem Projekt sowohl gesetzliche Auflagen als auch die Interessen der BürgerInnen vereint und somit eine Steigerung der Lebensqualität der Menschen vor Ort erreicht werden.

Nähere Informationen:
www.butjadingen.de/reisefuehrer/unesco-weltnaturerbe-wattenmeer/natur-erleben-langwarder-groden
www.aknds.de/architektur/architektur-raumgewinn
www.aknds.de/fileadmin/pdf/Diverses/RaumGewinn_Broschuere.pdf


Ländlicher Raum

Historische Bockwindmühle Dudensen (Region Hannover)

BauherrIn: Dudenser Mühlenverein e.V.
Architekten: Dorfgemeinschaft Dudensen
Landschaftsarchitekten: Dorfgemeinschaft Dudensen
Bildrechte: Heidemarie Eckardt | Dudenser Mühlenverein e.V. | www.muehle-dudensen.de

Auszeichnungen:
2016: Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft"

Fotos: Heidemarie Eckardt | Dudenser Mühlenverein e.V. | www.muehle-dudensen.de

Begründung:

Die Silbermedaille des 25. Bundeswettbewerbs 2016 "Unser Dorf hat Zukunft“ ging an Dudensen für die Renovierung der historischen Bockwindmühle und dem dazugehörigen Lehmbackofen.  

Das 553 Menschen große Dorf in der Region Hannover wirbt mit dem Slogan "Ein Stück Natur im Mühlenfelder Land" und hat sich zum Ziel gesetzt durch die Integration von gewerblichen Betrieben in die dörfliche Grüngestaltung einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur zu erreichen und gleichzeitig das Dorf beständig weiter zu entwickeln.
Dem Mühlenverein ist es durch die frühzeitige Einbindung aller BürgerInnen in das Projekt mit viel Aufwand gelungen, ein beliebtes Ausflugsziel für die gesamte Region zu schaffen und gleichzeitig ein Stück der Kulturgeschichte und somit ihrer Wurzeln zu bewahren. Die renovierte Mühle mit restauriertem Lehmbackofen sowie der dazugehörige Dorfbrunnen und die Feldstein-Kirche werden vielfältig eingesetzt und genutzt und eine Verkostung von frisch gebackenem Brot und Zuckerkuchen lockt die gesamte Familie.
Auch die Umsetzung weiterer Projekte für ein lebenswerteres Dudensen wurde durch die aktive Gestaltung der BürgerInnen und die Gründung eines Dorfgemeinschaftsvereins im Jahre 2010 erreicht.

Nähere Informationen: www.bmel.de | www.dg-dudensen.de


Aktives Flächenmanagement

Gemeinde Weyarn (Bayern)

Auftraggeber: Gemeinde, Vereine, Investoren
Architekt/ Planer: Behnisch, Leupold, Team 4, Schwanck, Reichenbach-Klinke
(Planungsbeteiligte: Nutzer, Betroffene, Bürger, Experten, politische Verantwortliche)
Bildrechte: Gemeinde Weyarn | www.gemeinde-weyarn.de
Quelle: www.bundesstiftung-baukultur.de/beispiele/dorfentwicklungsplan-buergerbeteiligung

Auszeichnungen:
2005: Bayerischer Staatspreis im Wettbewerb „Ländliche Entwicklung“
2006: OGUT-Umweltpreis in der Kategorie „Innovative und nachhaltige Projekte im Bereich Partizipation“
2011: Gütesiegel „Nachhaltige Bürgerkommune“

Fotos: Gemeinde Weyarn | www.gemeinde-weyarn.de

Begründung:

In der bayerischen Gemeinde Weyarn leben rund 3.400 Einwohner, die dem Leitbild „Wir wollen ländlicher Raum bleiben“ und „Wir planen die Zukunft mit dem Bürger“ zugestimmt haben. Die Gemeinde hat ein eigenes Baulandmodell entwickelt, um dieses Leitbild umzusetzen. Zwei Drittel der landschaftlichen Flächen sollten zum doppelten Landwirtschaftspreis an die Gemeinde verkauft werden; ein Drittel der Fläche dagegen beim Eigentümer verbleiben, die selbstgenutzt oder zum Marktpreis verkauft werden könnte. Die Gemeinde ist hierbei dazu verpflichtet, das erworbene Bauland nur an junge Familien oder Gewerbebetriebe im Erbbaurecht zu verkaufen – oder aber für Infrastruktureinrichtungen zu nutzen. Dadurch sollte die Gemeinde die Flächennutzung gezielt steuern und tauschen können. Außerdem stellt die Partizipation ein weiteres wichtiges Element in der Planung dar. Die Arbeitskreise haben ein von der Gemeinde gestelltes Budget und erhalten weitere finanzielle Mittel für die professionelle Begleitung durch Experten. 1996 wurde eine Arbeitsstelle im Mitmachamt eingerichtet, die für ein Zusammenwirken zwischen den Arbeitskreisen, der Verwaltung und dem Gemeinderat sorgt. Zudem soll es der Transparenz unter allen Beteiligten dienen und dem bürgerlichen Engagement Kontinuität verleihen. So konnten Kinder, Lehrer und Eltern gleichberechtigt an einer neuen Schule mit bauen. Im Planungsprozess waren sogenannte Kindergemeinderatssitzungen und regelmäßige Jour Fixes an der Tagesordnung. Zudem wurde ein Dorfladen, die Bücherei und die Gestaltung der Ortsdurchfahrt nach diesem Prinzip umgesetzt. Heute ist es in der Gemeinde selbstverständlich, bei Bauvorhaben den Dialog mit Betroffenen, Experten und politisch Verantwortlichen zu suchen. Dieser Weg soll konsequent fortgesetzt werden.

Nähere Informationen: www.bundesstiftung-baukultur.de
Quelle: www.bundesstiftung-baukultur.de/sites/default/files/medien/78/downloads/bbk_bkb-2016_17_low_0.pdf  (S. 118 - 119)


Historische Altstadt

Kreisstadt Eschwege (Hessen)

Auftraggeber: Magistrat der Kreisstadt Eschwege
Architekt: Michael Triebswetter
Landschaftsplanung: GTL Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten GbR
(Planungsbeteiligte: FB 4 Planen und Bauen, Magistrat der Kreisstadt Eschwege;
BIG-STÄDTEBAU GmbH, Kronshagen)
Bildrechte: Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt, Kassel
und Herny Wagler, NIAOKAN Bilddienstleistungen, Halle (Saale)
Quelle: www.bundesstiftung-baukultur.de/beispiele/wohnen-mobilitaet

Auszeichnungen:
2012: Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur „Neues Wohnen in der Altstadt“
2013: European Railway Award
2014: Deutscher Verkehrsplanungspreis

Lageplan: GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt | www.gtl-landschaftsarchitektur.de
Foto: Herny Wagler, NIAOKAN Bilddienstleistungen | www.niaokan.de

Begründung:

In der tausendjährigen Stadt Eschwege leben rund 20.000 Einwohner. Diese Stadt ist geprägt durch über 1.000 Fachwerkgebäude, die der nordhessischen Stadt ihren gewissen Charme verleiht. Trotz dessen verlor vor allem die Innenstadt an Funktion und Aufenthaltsqualität und dies hatte 2005 zufolge, dass die Stadt unter Einbindung der Bevölkerung einen baulichen Umbauprozess in Gang setzte. 2010 wurden sie aufgefordert, gemeinsam mit der Stadtpolitik, einen Gestaltungsbeirat, Ideen und Bedarfe für die Umgestaltung des öffentlichen Raums zu entwickeln. Vorgabe für die Neugestaltung war die Erhaltung aller Funktionsbereiche des Marktplatzes. Das Städtebauliche Gesamtkonzept und die Architektur wurde von GTL Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten GbR, Kassel entworfen. Zudem sollte die gesamte Innenstadt barrierefrei werden. In einem „Testlauf“ hatten die Bewohner die Möglichkeit, die geplanten Umbaumaßnahmen auszuprobieren. Es ist ein verkehrsberuhigter und lebendiger Marktplatz entstanden. Der Verkehr kann von allen Teilnehmern gleichberechtigt in Anspruch genommen werden und der Marktplatz zeichnet sich durch seine Barrierefreiheit aus. Außerdem wurden die umliegenden Fußgängerzonen ausgebessert und geordnet. Einige in der Innenstadt befindliche Fachwerkgebäude konnten durch zeitgemäße Neu- oder Anbauten ergänzt werden. Mit dem Umbau von drei Fachwerkhäusern zu einem barrierefreien Stadthaus wurden neue Wohnformen für körperlich beeinträchtigte Menschen geschaffen. Des Weiteren konnte die Stadt einen neuen Bahnhof in die bestehende Innenstadtstruktur einbetten. Durch die intensive Einbindung der Bürger noch vor Planungsbeginn ist es Eschwege gelungen, die Innenstadt durch eine prozesshafte baulich-qualitative Weiterentwicklung nachhaltig zu beleben und zu stabilisieren.

Nähere Informationen: www.bundesstiftung-baukultur.de
Quelle:
www.bundesstiftung-baukultur.de/sites/default/files/medien/78/downloads/bbk_bkb-2016_17_low_0.pdf (S. 124 - 125)


Architektur & Freiraum

Projekt: Wagnis 4 (München)

Bauherr: Wohnungsgenossenschaft wagnis eG
Architekten: A2 Freising
Landschaftsarchitekten: Wamsler Rohloff Wirzmüller FreiraumArchitekten, Regensburg
Bildrechte: dto.

Auszeichnungen:
2017: Landschaftsarchitekturpreis

Fotos: Wamsler Rohloff Wirzmüller FreiraumArchitekten, Regensburg | www.freiraumarchitekten.com

Begründung:

"Das Projekt überzeugt durch die Kombination vielschichtiger Aspekte einer zeitgemäßen, wohnungsnahen Landschaftsarchitektur. In einem frühzeitigen Beteiligungsprojekt gelang eine Aktivierung der Bewohner und Nutzer eines Neubauprojektes im München. Die Nutzung der Dachflächen zu gärtnerischen Zwecken sowie zum kontemplativen Aufenthalt erweitert die Möglichkeiten einer gemeinsamen nachbarschaftlichen Aneignung und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz.
Bereits der Partizipationsprozess kann als vorbildliches Beispiel für die Teilhabe von Menschen in Nachbarschaft an der Gestaltung der wohnungsnahen Umwelt gelten. Die Auseinandersetzung mit Pflanzen bietet auch Stadtmenschen die Möglichkeit, Natur zu erleben. Die Umsetzung ist gestalterisch gelungen und proportional zur Bebauung. Nutzungsvielfalt ermöglicht die Beteiligung unterschiedlicher Altersgruppen. Betreuung und Pflege des Dachgartens erlauben dauerhaft, das Miteinander in häuslicher Nähe zu fördern. Insgesamt kommt dem Projekt somit eine beispielgebende Funktion für eine Vielzahl ähnlicher Quartiersprojekte zu. Die Jury würdigt auch die gelungene Partizipation und den damit einhergehenden Lernprozess aller Beteiligten am Beispiel Natur- und Landschaftsraum."

Nähere Informationen: www.landschaftsarchitektur-heute.de


Städtebau

Projekt: „HABITAT - Internationales Wohnen auf dem Kronsberg“ (Hannover)

Bauherr: Gundlach GmbH & Ko KG Wohnungsunternehmen Hannover
Architekt: pbs Architekten Gerlach Wolf Böhning, Aachen
Landschaftsarchitekten: SPALINK-SIEVERS Landschaftsarchitekten, Hannover
Bildrechte: dto.

Auszeichnungen:
2000: Niedersächsischer Staatspreis für Architektur

Fotos: SPALINK-SIEVERS Landschaftsarchitekten, Hannover | www.spalink-sievers.de

Begründung:

"Mit dem begehrten Preis ausgezeichnet wurde das Projekt "Habitat" in der Kronsberg-Siedlung in Hannover. Dem Planungsbüro ist eine rund um beispielhafte Quartiersbebauung gelungen, urteilte die Jury: Das Siegerprojekt Habitat wurde ausgewählt wegen des großen Angebotes unterschiedlicher Wohnungen, die auch für multikulturelle Bedürfnisse geeignet sind, sowie die gut funktionierenden und hervorragend durchdachten Grünanlagen und Spielplätze. Einmalig ist auch das umfangreiche Angebot gemeinschaftlicher Einrichtungen: vom multireligiösen Gebetsraum bis zum Car- und Konsumsharing: Werkzeuge und Geräte, die man nicht oft aber manchmal dringend braucht wie Bohrmaschinen, Waschmaschinen oder Fitnessgeräte werden gemeinschaftlich angeboten und machen das Zusammenleben in der Siedlung Habitat angenehm. Obwohl das Quartier ganz neu ist, herrschen von Anfang an gute soziale Kontakte.“
"Das Konzept dieses Bauvorhabens wurde durch einen internationalen Erfahrungsaustausch vorbereitet und basierend auf einer repräsentativen Befragung von MigrantInnen ausgearbeitet. Im Stadtteil wurde ein Wohnquartier errichtet, das durch besondere Ausstattung und diverse Angebote das nachbarschaftliche Leben von Deutschen und Migrant*innen fördert.
Das Projekt erfüllt außerdem hohe ökologische Anforderungen."

Nähere Informationen: www.staatspreis-architektur.de