Der Mobile Gestaltungsbeirat Niedersachsen - ein temporärer Beirat für Baukultur

Der demographische Wandel, Engpässe auf dem Wohnungsmarkt, die Energiewende, die Verankerung der Nachhaltigkeit auf der lokalen Ebene oder neue Formen der Bürgerbeteiligung stellen Städte und Gemeinden heute vor große Herausforderungen. Sie zukunftsfähig zu bewältigen ist überlebenswichtig, denn räumliche und bauliche Stadtentwicklung setzt den Rahmen für die künftige Gesamtentwicklung einer Kommune.
Und gerade hier haben vor allem kleinere Kommunen immer wieder mit Problemen im Bereich der städtebaulichen Planung und Gestaltung zu kämpfen. Die Ursachen sind vielfältig und individuell. Sie können in unklaren Rahmenbedingungen liegen; aber auch in ggf. fehlender Fachkapazität oder -kompetenz innerhalb der Verwaltung bzw. in unterschiedlichen Bewertungen erarbeiteter bzw. von Investoren vorgelegter Planungsansätze. Hierdurch entstehen Irritationen bis hin zu nicht gewollter Konfrontation, Unzufriedenheit oder gar fehlender Identifikation fachlicher oder politischer Entscheidungsträger mit den Planungen. Hier gilt es anzusetzen, um eine konsensorientierte städtebauliche Entwicklung der Kommune zu fördern.

In den letzten Jahren etablierten sich in deutschen Städten zahlreiche Gestaltungsbeiräte, die mit Hilfe externer Fachleute und deren neutralem Blick von außen wertvolle Hinweise auf Defizite und Verbesserungsmöglichkeiten geben. Sie bemühen sich darum, festgefahrene Meinungspositionen aufzulösen und Kommunikationswege für das weitere Verfahren aufzuzeigen.
Größere Kommunen in Niedersachsen nutzen bereits vielfach dieses Gremium.
Kleineren Kommunen fehlen oft die finanziellen Mittel einen Gestaltungsbeirat dauerhaft einzurichten, zumal hier entsprechende Aufgabenstellungen eher temporär auftreten.

Hier bieten das Land Niedersachsen, die Architektenkammer Niedersachsen und das Netzwerk Baukultur eine praktikable und sinnvolle Alternative an. Gemeinsam befürworten und unterstützen sie die Einrichtung von „mobilen oder temporären“ Gestaltungsbeiräten in Niedersachsen. Diese können auf Anforderung punktuell zur Beratung einzelner Problemstellungen eingesetzt werden.

Der erste mobile Gestaltungsbeirat in Niedersachsen tagte Ende 2015 in Bremervörde zur Diskussion der komplexen Problemlage bei der Gestaltung des dortigen Rathausmarktes. Die Architektenkammer Niedersachsen hatte damals im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Land dieses neue Beratungsinstrument für Kommunen auf den Weg gebracht. In eintägiger Sitzung analysierten externe Beiratsmitglieder aus den Fachbereichen Architektur, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Verkehrsplanung und dem Einzelhandel die besonderen Planungsprobleme und gaben der Stadt zahlreiche wertvolle Empfehlungen zur weiteren Planungsarbeit, welche in einem ausführlichen Protokoll festgehalten wurden.

Die Beratungen des Beirats stehen dabei ausdrücklich nicht in Konkurrenz zur Arbeit bereits tätiger oder noch zu beauftragender Planungsbüros sondern liefern im Gegenteil Impulse aus neutraler Sicht für die weitere Bearbeitung der jeweiligen Problemstellung.

Das Land Niedersachsen förderte finanziell die Initiative in Bremervörde und ist auch heute noch eng in die Bemühungen um die Weiterentwicklung dieses Beratungsformats eingebunden, die nunmehr durch das Netzwerk Baukultur Niedersachsen, vorangetrieben werden. Das Netzwerk berichtet in seinen vierteljährlich erscheinenden Newslettern über die Arbeit des „temporären Beirats für Baukultur“, wie er inzwischen heißt, über die Ergebnisse der durchgeführten Beratungen. Über das Netzwerk Baukultur eingebunden sind auch die kommunalen Spitzenverbände, wie der Niedersächsische Städtetag, der Städte- und Gemeindebund und der Landkreistag. Die Vielzahl der Beteiligten trägt aktiv zur Verbreitung des Beirats für Baukultur bei.

Gegenüber den meisten festeingerichteten Gestaltungsbeiräten, die eher Einzelobjekte betrachten, geht der niedersächsische temporäre Beirat für Baukultur einen Sonderweg, indem er vorwiegend konzeptionell tätig wird und die Kommunen besonders bei grundsätzlichen Fragen städtebaulicher Planungen und stadträumlicher Gestaltungen, also schon im Vorfeld des eigentlichen Bauens, berät. Gleichwohl sind jedoch auch Objektberatungen möglich.

Inhalte der bisherigen Beiratssitzungen in verschiedenen niedersächsischen Kommunen waren u.a.: die komplette Neugestaltung eines Marktplatzes mit teilweise neuer Randbebauung einschließlich zu ändernder Verkehrsführung, geplante Durchführungsmaßnahmen von Innenverdichtungen im Bereich eines aus landschaftsplanerischer Sicht wertvollen innerstädtischen Grünzuges, die Umgestaltung eines zentral gelegenen Kirchplatzes unter Berücksichtigung der anschließenden städtischen Räume und Raumübergänge, die perspektivischen Potenziale eines Sanierungsgebietes am Mittellandkanal u.a. für Wohn- und Freizeitnutzung.

Interessenten können sich gerne an die Geschäftsstelle des Netzwerkes Baukultur wenden:

Geschäftsstelle Netzwerk Baukultur in Niedersachsen
c/o Stadt Wolfsburg
Postfach 100944
D-38440 Wolfsburg

Tel: 05361-282835
Fax: 05361-281644

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Birgit Leube, Dipl.Ing.’in TU
Niedersächsisches Ministerium für Umwelt,
Energie, Bauen und Klimaschutz

Lothar Tabery, Dipl.Ing. Architekt und Stadtplaner
Vorstandsmitglied des Netzwerkes Baukultur Niedersachsen

Netzwerk Baukultur
in Niedersachsen e.V.
c/o Stadt Wolfsburg
Postfach 100 944
D-38409 Wolfsburg
www.baukultur-niedersachsen.de
Standort
Alvar-Aalto-Kulturhaus
Porschestraße 51
D-38440 Wolfsburg
Öffnungszeiten
Mo: 09 - 13 Uhr
Do: 13 - 17 Uhr
Ansprechpartnerinnen
Christina Dirk
Nicole Froberg
Kontakt
T: (05361) 28 2835
F: (05361) 28 1644
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