Der Mobile Gestaltungsbeirat Niedersachsen - ein temporärer Beirat für Baukultur

Aktivitäten / Themen und Beratungsergebnisse in Kurzbeschreibungen

1. Beratung am 15.11.2015 in Bremervörde - öffentliche Veranstaltung (Pilotprojekt)

Thema: Weiterentwicklung des Rathausmarktes

Externe Fachberater
Herr Professor Dr.-Ing. Volker Droste, Architekt und Stadtplaner, Oldenburg
Frau Dipl.Ing. Karin Kellner, Architektin und Stadtplanerin, Hannover
Herr Dipl.Ing. Thomas Müller,Verkehrsplaner, Ing.-Gemeinschaft Dr. Ing. Schubert, Hannover
Herr Dipl.Geogr. Katharina Staiger, Gesellschaft für Markt- u. Absatzforschung mbH, Ludwigsburg
Herr Dipl.Ing. Lothar Tabery, Architekt und Stadtplaner Bremervörde - Moderation
Protokoll
Herr Dipl.-Ing. Andreas Rauterberg, Architekt, Hauptreferent Architektenkammer Nds., Hannover

Inhalte und Ergebnis (Protokollauszug)
Die Diskussion des Gestaltungsbeirates befasste sich ausführlich mit den Platzrändern. Der Rathausmarkt ist gegenwärtig in seinen Dimensionen zu groß, insofern dürfen die Randbebauungen in weiten Teilen neu konzipiert werden, womit der Platz einen intimeren Charakter erhalten könnte. Für die Nordseite bieten sich Gastronomie und Wohnen als Nutzung an. Für das Kammanngelände wird einhellig ein Frequenzbringer, insbesondere ein Drogeriemarkt vorgeschlagen, ggf. auch die VHS als öffentliche Nutzung, die dann aber auch zumindest in Teilen im EG angesiedelt sein müsste. Ergänzend wird Wohnen in den Obergeschossen vorgeschlagen. Südlich des Rathauses sollte die Lücke zur Alten Straße geschlossen werden, im rückwärtigen Bereich wäre ggf. mehrgeschossiges Parken denkbar. Nach einhelliger Auffassung ist der Rathausplatz vom Busverkehr frei zu halten, gleiches gilt für den MIV sowie Parkplätze. Neue Standorte für die entfallenden Haltestellen müssten in relativer Nähe gefunden werden. Die Kirchenstraße sollte in ganzer Länge als verkehrsberuhigte Einbahnstraße konzipiert werden. Durch eine Parkraumbewirtschaftung können die Parkplätze hinter dem Rathaus als Kurzzeitparkplätze gewonnen werden, in der Kirchenstraße wäre nur eine geringe Anzahl an Behindertenparkplätzen vorzusehen. Platzmöblierung, Pflasterung und Vegetation müssen nicht zwingend komplett in Frage gestellt werden, durch eine Verkleinerung des Platzes ergibt sich aber automatisch Veränderungsbedarf, der als Chance für eine Reduktion gesehen werden sollte, um eine flexible und vielfältige Nutzung des Platzes zu ermöglichen. Die Übergänge zu den angrenzenden Stadträumen bedürfen besonderer Beachtung und sollten als Engstellen definiert werden. Der Vorplatz der Kirche sollte als Auftakt zum Rathausmarkt verstanden und im Zusammenhang mit einer Neuorganisation der Busführung und in Abstimmung mit der Eigentümerin entsprechend überarbeitet werden.

Die Anregungen wurden in die Rahmenplanung der Stadt für den Kernbereich Bremervördes aufgenommen.

Für die in städtischem Eigentum befindliche Grundstücksfläche an der Nordseite des Rathausmarktes wurde auf Anregung des mobilen Gestaltungsbeirats ein Wettbewerb ausgelobt, der eine ortsangemessene Lösung für die neu zu schaffende Bebauung bringen sollte.


2. Beratung am 22.08.2017 in Westerstede - verwaltungsinterne Sitzung

Thema: Weiterentwicklung der Freiflächen im Bereich der Norderstraße für Wohnungsbau

Externe Fachberater
Herr Dipl.Ing. Martin Diekmann, Landschaftsarchitekt und Stadtplaner, Hannover
Frau Dipl.Ing. Karin Kellner, Architektin und Stadtplanerin, Hannover
Herr Dipl.Ing. Lothar Tabery, Architekt und Stadtplaner Bremervörde - Moderation
Protokoll
Herr Dipl.-Ing. Andreas Rauterberg, Architekt, Hauptreferent Architektenkammer Nds., Hannover

Inhalte und Ergebnis (Protokollauszug)
Wenn überhaupt eine Bebauung im Bereich der Kleinen Norderbäke in Frage kommt, dann allenfalls im nördlichen Bereich. Vorher sollte intensiver geprüft werden, welche Alternativen es in Bezug auf die Innenverdichtung bestehender Quartiere gibt. Es gibt eine Reihe von Flächen, die auf den ersten Blick besser für eine Nachverdichtung geeignet sind. Besonderes Augenmerk sollte hierbei auf die weitere Entwicklung des Orchideenkamps gelegt werden, der – auch bei einer niedrigeren und ortsverträglicheren als der bisher vorgesehenen Bebauung – deutlich mehr als die bisher geplanten 150 Wohneinheiten bieten könnte und insofern erhebliches Potenzial hätte. Die Potenziale der Stadt müssen in einen Gesamtzusammenhang gestellt werden, um eine übergeordnete Planungsidee für Westerstede zu entwickeln. Es erscheint erforderlich, hierfür ein übergeordnetes Regelwerk im Sinne eines Planwerks oder Masterplans zu entwickeln. Insgesamt ist darauf zu achten, sukzessive neue, zukunftsträchtige Bauformen zu entwickeln, die in eine andere Richtung als der etablierte Einfamilienhausbau oder der stigmatisierte Geschosswohnungsbau weisen. Dabei sind regionaltypische Aspekte wie Dachlandschaften oder die vorhandene Parzellenstruktur als kollektives Gedächtnis der Stadt zu achten. Dies bedeutet keineswegs, nostalgisch oder rückwärtsgewandt zu agieren. Insofern wird das Instrument des Architektenwettbewerbs zur Entwicklung von Ideen empfohlen und wäre zum Beispiel auch für das Quartier südlich des Friedhofs sinnvoll. Sobald die Stadt Westerstede ihre Planungen im Sinne dieser Empfehlungen konkretisiert hat, könnte es sich ggf. anbieten, eine zweite Sitzung des mobilen Gestaltungsbeirats durchzuführen. Weitere Empfehlungen im Detail:

- Verkehr: Die Anbindung einer Neubebauung kann nur über den bisherigen Fußweg zum Anton-Günther-Weg erfolgen. Diese Lösung kann in Anbetracht der Größe der Anlage als unterschwellig ausgebaute verkehrsberuhigte Zone entstehen und wäre nach Auffassung des Beirats absolut unproblematisch und verträglich. Die Erschließung kann in Teilen auch privatisiert werden und würde damit das Potenzial bieten, von den künftigen Bewohnern auch mit anderen Nutzungen überlagert zu werden. Ein Konfliktpotenzial mit dem Schülerrad- und Fußverkehr wird nicht gesehen. Fuß- und Radwege bleiben in dem Gesamtareal bedeutsam und sollten gegenüber der Erschließung für PKW Priorität genießen. Die Wegeverbindungen im Süden des Grünzugs sind verbesserungswürdig.
- Ruhender Verkehr: Für die KFZ-Stellplätze der Wohnbebauung sollten zwischen oder in die Häuser integrierte Lösungen verfolgt werden. Diese bedürfen einer sorgfältigen Gestaltung, um die privaten und öffentlichen Grünräume möglichst wenig zu beeinträchtigen.
- Freiräume und Grünflächen: Die bisher vorhandenen Qualitäten müssen gesichert werden. Das bedeutet auch, dass bei einer Neubebauung der Rodelhügel an anderer Stelle neu errichtet werden muss. Asphaltierte Flächen werden als unverträglich angesehen. Zur Kompensation des Verlustes öffentlichen Raums können private Freiräume eines verdichteten, barrierefreien Wohnprojektes den öffentlichen Freiraum soweit ergänzen, dass auch die Öffentlichkeit eine Teilhabe hieran haben kann. Die großkronigen Pappeln und Erlen im Bereich der eventuellen Neubebauung haben zwar im Hinblick auf ihre Lebensdauer nur einen begrenzten Wert, sollten aber als ortsprägende Bäume möglichst erhalten werden.
- Städtebauliche Kenndaten: …. Die Bebauung sollte im Hinblick auf die umgebende Bebauung nicht höher als zweigeschossig sein. Ein zusätzliches Dachgeschoss ist denkbar, darf aber nicht als 2/3-Staffelgeschoss ausgeführt werden, da dieses als ortsuntypisch angesehen wird. Wichtiger als die pauschale Festsetzung städtebaulicher Kenndaten erscheint die Überprüfung der Körnigkeit einer Bebauung durch Modellstudien, Schwarzplan und Fotomontagen in Luftbildschrägansichten.
- Dachformen: Eine möglichst einheitliche Gestaltung sollte angestrebt werden, noch wichtiger als die Festlegung der Dachformen ist dabei die Festlegung einer einheitlichen Dachneigung. Klassische Satteldächer mit Ziegeleindeckung werden als angemessen angesehen.
- Architektonische Gestaltung: Eine gemeinsame Formensprache mit entsprechender Binnendifferenzierung sollte Ziel sein. Auch lange, einheitliche Klinkerfassaden lassen sich durch Detailarbeit z.B. an den Hauseingängen so entwickeln, dass sie nicht monoton wirken.


3. Beratung am 12.10.2017 in Buxtehude - öffentliche Veranstaltung (Pilotprojekt)

Thema: Umgestaltung des St. Petri Platzes

Externe Fachberater
Herr Prof. Dr. Ing. Volker Droste, Architekt und Stadtplaner, Oldenburg
Frau Prof. Dipl. Ing. Irene Lohaus, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin, Hannover
Herr Dipl.Ing. Thomas Möhlendick, Architekt und Stadtplaner, Braunschweig
Herr Dipl.Ing. Lothar Tabery, Architekt und Stadtplaner Bremervörde - Moderation
Weitere externe Teilnehmer
Herr Prof. Dr. Ing. Karsten Ley, Architekt und Stadtplaner, Hochschule 21 Buxtehude
Protokoll
Frau Dipl.Ing. Architektin Susanne de Vries Architektenkammer Niedersachsen, Hannover

Inhalte und Ergebnis (Protokollauszug)
Die Diskussion des Gestaltungsbeirates hat sich ausführlich mit der Situation des St.-Petri-Platzes befasst. Dieser erscheint derzeit übermöbliert und enthält wenig Aufenthaltswert. Trotzdem verfügt der Platz über eine Reihe von Qualitäten, wie seine gute Eignung für Veranstaltungen, die unterschiedlich geprägten Platzzugänge oder auch die teilweise historischen Fassaden und das Heimatmuseum. Diese Qualitäten und ein eigenständiger Charakter des Platzes sollten bei einer Neugestaltung herausgearbeitet werden. Nach einhelliger Auffassung ist der St.-Petri-Platz vom MIV und von Parkplätzen frei zu halten. Platzmöblierung, Pflasterung und Vegetation sollten anhand eines einheitlichen Gestaltungskonzepts neugestaltet werden, um einen attraktiven Aufenthaltsort zu schaffen und eine flexible und vielfältige Nutzung des Platzes zu ermöglichen. Ein wesentliches Element zur beschriebenen Zielsetzung ist die Verlegung des Museumseingangs an den St.-Petri-Platz. Der vorhandene Brunnen sollte durch ein erlebbares Wasserspiel ersetzt werden. Zur Belebung des Betrachtungsbereichs wird in der Achse der Langen Straße ein neuer Blickpunkt für den St.-Petri-Platz empfohlen. Zudem könnte erwogen werden, die Fußgängerzone vom Fleth über die Kirchstraße bis zum St.-Petri-Platz zu verbinden und damit zu einem Rundweg auszubauen. Die Nutzungen der anliegenden Gebäude, insbesondere die der Kirche und vorhandenen Gastronomie sollten sich durch die Platzneugestaltung besser zum Platz öffnen und auf diesen herausgreifen können. Es wird empfohlen, auf der Grundlage dieser Anregungen und Hinweise einen interdisziplinären Planungsprozess zu initiieren. Hierfür bieten sich Verfahren an, bei denen alternative Lösungsansätze durch Teams, bestehend aus Architekten/Stadtplanern und Landschaftsarchitekten, erarbeitet werden, wie z. B. ein Planungswettbewerb oder eine Mehrfachbeauftragung von Planungsbüros. Weitere Empfehlungen im Detail:

- Aus Sicht des Gremiums stellt die Gaststätte an der südlichen Platzwand …einen wesentlichen Schwachpunkt des Platzes dar. In Abstimmung mit den Gebäudeeigentümern und dem Denkmalschutz wären mit einer Öffnung dieser Fassadenseite und der Schaffung eines direkten Zugangs sowie einem Herausgreifen der Gastronomie auf den Platz deutliche positive Effekte zu erzielen. Hierbei kann auch eine verstärkte Innenraum- Außenraumbeziehung durch eine entsprechend höhere Transparenz der Fassade einen entscheidenden Beitrag leisten. Es entstünden Ein- und Ausblickmöglichkeiten ins bzw. aus dem Gebäude, was besonders auch bei Dunkelheit durch die Lichtwirkung der Fenster eine angenehmere Platzatmosphäre schaffen würde. Die Position der Fahrradständer vor der Gasthoffassade ist in diesem Zusammenhang ungeeignet und muss neu überlegt werden.
- Bei einigen Wohn- und Geschäftshäusern an den Platzrändern wirkt die Gliederung der Erdgeschossfassaden, teilweise aufgrund von Umbauten, nicht stimmig im Gesamtbild. Dies betrifft vor allem die wegen der breit angeordneten Schaufenster visuell horizontal von den Obergeschossen abgetrennten Erdgeschosszonen. Hier könnte eine Wiederherstellung der vertikalen Gliederungsstrukturen in den Erdgeschossen auch bei integrierten Schaufenstern eine deutliche Verbesserung der Ganzheitlichkeit der jeweiligen Gebäudefassaden herstellen und damit auch eine Verbesserung der Ensemble-Wirkung erreichen. Bei einzelnen Gebäuden wäre langfristig auch eine Verbesserung der Fensterproportionen in den Obergeschossen (stehende Formate) wünschenswert, um eine harmonischere Gesamtwirkung zu erzielen.


4. Beratung am 16.01.2018 in Cuxhaven - nichtöffentliche interfraktionelle Arbeitsgruppensitzung

Thema: Umgestaltung des Geländes am Alten Fischereihafen Cuxhaven

Externer Fachberater
Herr Dipl.Ing. Lothar Tabery, Architekt und Stadtplaner Bremervörde

Inhalte und Ergebnis


5. Beratung am 02.05.2018 in Ottersberg - nichtöffentliche Gemeinderatssitzung

Thema: Gestaltungsregelungsmaßnahmen für Fischerhude

Externer Fachberater
Herr Dipl.Ing. Lothar Tabery, Architekt und Stadtplaner Bremervörde

Inhalte und Ergebnis
Das Künstlerdorf Fischerhude ist nicht nur bekannt durch namhafte Künstler, wie z.B. OttoModersohn und Rainer Maria Rilke, sondern auch durch seine charakteristische Atmosphäre im alten Ortskern. Die weiträumigen dörflichen Strukturen und die u.a. von bäuerlicher Tradition geprägten Bauten stellen eine eigene Qualität dar, die von den Einwohnern und von Touristen sehr geschätzt wird. Allerdings hat das Ortsbild in den letzten Jahren durch verschiedene Bauten gelitten. Es entstand der Wunsch nach Regelungsmaßnahmen, um weitere Beeinträchtigungen zu verhindern .Man gab die Erarbeitung einer Erhaltungs- und einer Gestaltungssatzung in Auftrag. Jedoch entwickelte sich massiver Protest in Teilen der Einwohnerschaft gegen diese Regelwerke, weil man eine starke Beschneidung eigener Aktionsmöglichkeiten und fehlende Entwicklungspotentiale für die Zukunft befürchtete. Die Satzungsgegner sprachen sich aber für eine rechtlich unverbindliche Gestaltungsfibel aus. Da die gegensätzlichen Auffassungen den Gemeinderat in zwei Lager gespalten hatten, beschloss man in nichtöffentlicher Sitzung die Thematik unter fachlicher Begleitung bzw. Beratung zu erörtern. Dies bot die Gelegenheit zu einem moderaten Meinungsaustausch ohne äußeren Druck. Wichtige Diskussionsgrundlage war eine ausführliche Information über Möglichkeiten und Grenzen von Fibeln und Satzungen und Impuls- und Schlichtungsmöglichkeiten von außen durch den temporären Beirat für Baukultur in Niedersachsen (mobiler Gestaltungsbeirat). Zur Lösung des Problems wurde vorgeschlagen, auf die Erhaltungssatzung zu verzichten, eine deutlich verbesserte Fibel als Grundlageninformation für Bauwillige und eine deutlich abgespeckte Satzung zur verbindlichen Regelung der wesentlichen Gestaltungsmerkmale für den Ort zu erarbeiten. Ergänzend hierzu sollte die Einschaltung des niedersächsischen Beirats für Baukultur mit externen Fachleuten bei schwierigen Gestaltungsfragen als Beratungs- und ggf. Schlichtungsinstanz vereinbart werden. Dieser Vorschlag wurde in der Gemeinderatssitzung am 30.05.2018 mit großer Mehrheit angenommen. Die „Trilogie“ von Gestaltungsregelungsmaßnahmen ist neu in Niedersachsen für eine Gemeinde wie Fischerhude und wird daher als Pilotprojekt vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz gefördert. Die nun bevorstehende Ausarbeitung des gesamten Regelwerkes wird unter intensiver Beteiligung der Einwohner erfolgen.

„Vom Satzungsstreit zum Pilotprojekt“
„Das war knapp...“ war eine der häufigsten Redewendungen nach der jüngsten Ratssitzung zum mühsam aber mehrheitlich gefundenen Kompromiss für die Entwicklung einer dreigliedrigen Lösung zur Gestaltung der Ortskernentwicklung im Künstlerdorf Fischerhude: Die Verbindung von Gestaltungsfibel, komprimierter Gestaltungssatzung und Einführung eines temporären Gestaltungsbeirates spricht für ein förderungswürdiges Pilotprojekt. Was war passiert? Befürworter und Gegner einer örtlichen Bauvorschrift zur Erhaltung und Gestaltung des Ortskerns waren an- und auseinander geraten. Persönliche Anfeindungen gehörten zum Dorfgeschehen. Die Gegnerschaft bildete sich in den Ratsfraktionen ab. Ein Einwohnerantrag der Dorfkernbetroffenen sollte das Satzungsverfahren zu Fall bringen, die Politik schien ratlos, ein Ausweg nicht in Sicht. Mein Vorschlag und Antrag, Herrn Lothar Tabery als Referenten zur Information und Erörterung von Lösungsmöglichkeiten im Rat zu hören, brachte das unverhoffte Ergebnis – siehe oben. Mit Fachkompetenz und persönlicher Ansprache aller Beteiligten im Rat gelang es ihm, den Kompromissweg vorzubereiten. Jetzt kommt es auf kompetente Moderation des Projekts an, die Einwohnerschaft ist intensiv zu beteiligen. Meine Empfehlung für vergleichbare kommunale Prozesse: frühzeitige fachliche Informationen zum Abbau von Vorbehalten und persönliche Ansprache durch kompetente Referenten.

Hans-Jörg Wilkens, Rechtsanwalt Ratsherr Fischerhude / Ottersberg


6. Beratung am 23.05.2018 in Bad Essen - interfraktionelle Arbeitsgruppensitzung

Thema: Weiterentwicklung des Hafengeländes

Externe Fachberater
Frau Dipl.Ing. Karin Kellner, Architektin und Stadtplanerin , Hannover
Herr Dr.Ing. Frank Pantel, Architekt und Stadtplaner, Stadtbaurat a.D., Oldenburg
Herr Dipl.Ing. Lothar Tabery, Architekt und Stadtplaner, Bremervörde - Moderation
Weitere externe Teilnehmer
Frau Kathrin Soffner, BauBeCon, Osnabrück
Herr Arndt Hauschild, Fachdienstleiter Planen + Bauen LKS Osnabrück
Protokoll
Herr Dipl.Ing. Andreas Rauterberg, Architekt, Hauptreferent Architektenkammer Nds., Hannover

Inhalte und Ergebnis (Protokollauszug)
Die gewünschte Öffentlichkeit des Areals und die Durchführung von Veranstaltungen wie dem Hafenfest auf dem Park- und Veranstaltungsplatz führen zur Konsequenz, dass eine Wohnnutzung im Bereich des Speichers – unabhängig ob im Bestand oder im Neubau – aus der Erdgeschosszone heraus deutlich nach oben gehoben werden muss, um das Konfliktpotenzial zu reduzieren und die Öffentlichkeit des Ortes zu sichern. So sollte schon bei einer gastronomischen Nutzung des Erdgeschosses mindestens ein weiteres Geschoss für z.B. Büro- und Praxisnutzungen vorgesehen werden. Eine reine Wohnbebauung wie im östlichen Hafenareal wird einhellig als nicht erstrebenswert angesehen.

… Für eine Klärung der Frage, welche räumlichen Varianten für eine Neubebauung bestehen und welche Konsequenzen diese hätten, sollte entweder ein Planungsauftrag zur Untersuchung mehrerer Varianten erteilt werden. Alternativ wäre auch die Durchführung eines 1-2 tägigen – ggf. öffentlichen - Planungsworkshops zur Vorklärung von Planungsalternativen und ggf. Programmfestlegungen für einen anschließenden Planungswettbewerb denkbar. In beiden Fällen sollten die Testentwürfe nicht nur über Zeichnungen sondern auch an Hand von Modellen dargestellt und räumlich überprüft werden. Selbst wenn sich aus den dargestellten Gründen große Probleme für eine Realisierung ergeben könnten, sollte ein Ersatzbau nach Auffassung aller Beteiligten in seinen gewählten Dimensionen an das Speichergebäude erinnern und dessen stadträumliche Qualitäten als Landmarke widerspiegeln. Die Frage der wirtschaftlichen Realisierung dieser Projektvarianten könnte ggf. neutral von einem Investor bewertet werden, der nachweislich kein eigenes Interesse an einer Realisierung hat. Bei der Realisierung durch einen Investor könnte zur Absicherung der stadträumlichen Zielsetzung eine Mindesthöhe für die Neubebauung, beispielsweise eines Punkthauses, vorgegeben werden. Die externen Beiratsmitglieder weisen abschließend darauf hin, dass mit dem Verlust des Speichergebäudes wesentliche Potenziale des Geländes unumkehrbar verloren gehen. Auch wenn seitens örtlicher Vertreter unmissverständlich klargemacht wird, dass der Abrissbeschluss gefasst und nicht zur Disposition steht, wird empfohlen, den Abriss selbst noch nicht zu vollziehen, solange kein stimmiges und realisierungsreifes Konzept für eine Neubebauung vorliegt. Das ist auch deswegen geboten, weil andernfalls die kollektive Erinnerung an das Speichergebäude sehr schnell verblassen könnte, so dass die Akzeptanz selbst für ein deutlich kleineres Punkthaus zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr gegeben sein könnte. Der Erhalt des leerstehenden Speichergebäudes erscheint aus baufachlicher Sicht noch über längere Sicht unproblematisch. Mit Vorliegen der Konzeptvarianten und vor Abriss des Speichers sollte die Öffentlichkeit in die Diskussion über die endgültige Bebauung eingebunden werden. Dies erscheint wichtig, um Identifikationsmöglichkeiten in der Bevölkerung zu erzeugen, welche letztlich entscheidend zur Akzeptanz der Maßnahmen beitragen können.


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